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6.4.2.1 Dörfer der Hochlandebenen

In vorkolonialer Zeit gab es eine Art von ,,Versklavung``, die nach Grad und Stil variierte und bestimmt war durch die Art, wie jemand in dieses Abhängigkeitsverhältnis gelangte. Nach der Übernahme des Isalm wurden ausschließlich Nicht-Muslime versklavt, vor allem Personen aus Nias, Mentawei, Tampanuli und Riau. Sklaven und ihre Nachkommen lebten in getrennten Siedlungen nahe der großen Dörfer des Hochlandes. Sie waren auf den Reisfeldern, in den großen Haushalten oder als Taglöhner eingesetzt und durften keine Ehen mit Frauen des Dorfes eingehen.6.107 Die einzige Möglichkeit, diesem Abhängigkeitsverhältnis zu entkommen, war die Flucht in die Städte der Westküste.

Das tägliche Leben der Bewohner der vier Hochebenen unterscheidet sich in den einzelnen Dörfern kaum und wird durch den Zyklus des Reisanbaus bestimmt. Durch die geographische Trennung der vier Hochebenen konnten sich aber auch Varianten und eigenständige Formen entwickeln. (1) Agam im Norden mit dem Ort Bukkit Tingi. (2) Lima Puluh Koto östlich von Agam gelegen hatte engere Kontakte zu den Handelszentren der Straße von Malakka und bildete ein Zentrum für traditionelle religiöse Studien, insbesondere für zahlreiche tarekat-Schulen (mystische islamische Bruderschaften), die nahe dem administrativen Zentrum Payakumbuh angesiedelt waren. (3) Im Süden liegen die beiden historischen Orte XIII und IX Kota des Distrikts Solok. Es wird gesagt, daß diese die arroganteste und aristokratischste Bevölkerung unter den Minangkabau war. (4) Tanah Datar liegt geographisch in der Mitte und bildet das Zentrum, mit dem Ursprungsort der Minangkabau, Pagarruyung.6.108 Diese vier Täler ermöglichten durch die extrem günstigen Bedingungen für den Naßreisanbau ein Bevölkerungswachstum, das die Grundlage für die weitere geographische Expansion der Minangkabau war.


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Isabella Andrej
1999-03-04