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6.2.1 Java

Die frühesten Ansiedlungen auf Java befanden sich im Landesinneren auf Hochebenen und entlang der Vulkankette von Südzentral-Java, dazu zählten Mataram I (ca. 778-928), Kediri (1049-1222), Singhasari (1222-1292), Majapahit (1292 bis ca. 1520, zugleich Ende der hindu-buddhistischen Ära). Majapahit als Zentrum entstand im 13. Jahrhundert in einer Region, die besonders gut geeignet für den Naßreisanbau ist, in den Ebenen der Flüsse Solo und Brantas, aber auch die vorgelagerte Insel Madura diente als Reislieferant.6.16 Majapahit hatte den Vorteil, daß es eine gute agrarische Basis besaß, zugleich vom Handel profitierte und eine Seemacht darstellte. Es ist überliefert, daß von Majapahit 1377 eine Expedition nach Palembang (Srivijaya auf Sumatra) gesandt wurde. Die Kontakte reichten aber auch nach Champa, Kambodscha, Siam (Thailand), Südburma, Vietnam und es wurden ,,Missionen`` nach China gesandt.6.17

Von Java werden während des 9. und 10. Jahrhunderts zwei konkurrierende dynastische Linien überliefert: die Sailendras und die Saivite. Unsere Kenntnisse über die politschen Ereignisse auf Java beruhen auf Erzählungen, die ab der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts mit dem Namen Sanjaya als ,,Herrscherpersönlichkeit`` einsetzen. Ein Saivite wird mit dem Ort Mataram (ca. 778 bis 928 n.Chr.) im südlich-zentralen Java verbunden. Im nächsten Jahrhundert erscheinen Vasallen einer Linie des Mahayana Buddhismus, die sich Sailendras nannten. Diese werden mit dem Monumentalbau Borobudur in Verbindung gebracht. Das religiöse Zentrum Borobudur wurde auf der Kedu Ebene als Terrassenbau mit zahlreichen Stupas errichtet. An den Wänden finden sich Mahayana Texte in javanischem Stil, die auf Gupta Prototypen basieren. Neben ihrer Architektur ist nichts über die Sailendras bekannt. Es gibt Hinweise, daß sie nicht nur in Java, sondern auch in Sumatra und entlang der Küste der heutigen Staaten Kambodscha und Vietnam Einfluß hatten. Sie wurden von Java Mitte des 9. Jahrhunderts durch einen Saivite Chief der Sanjaya Linie vertrieben. Inschriften belegen zumindest drei Namen, der häufigste ist Pikatan. Spätere Inschriften beziehen sich auf drei Phasen seines Lebens: als siegreicher Krieger, Rückzug aus den weltlichen Angelegenheiten und Übergang in asketische ,,Resignation``. Von den Saivite wird der Tempelkomplex Prambanan im späten 9. Jahrhundert erbaut, der vermutlich als Konkurrenzbau zum früheren Zentrum Borobudur errichtet worden war. Die Tempelanlagen sollten die Macht der lokalen Chiefdoms demonstrieren und dienten der Verbreitung neuer religiöser Ideen.6.18

In den Zentren entwickelten sich ab dem 10. Jahrhundert Literatur, Drama und Musik in javanisiertem, hinduistischem Stil, der den Buddhismus und den Saivismus einschloß. Das neue Selbstbewußtsein wurde durch die Übersetzung von Sanskrittexten ins Javanische ausgedrückt. Mitte des 10. Jahrhunderts wurde das politische und religiöse Zentrum nach Osten in die Brantas Flußebene (besonders günstige Bedingungen für den Reisanbau) verlegt. Nach Taylor dürfte die Verlegung des Zentrum gleichzeitig die Grundlage der Harmonisierung zwischen Buddhismus und Saivismus mit einer javanischen Perspektive gewesen sein. Es kam zu Kontakten mit Bali, den Malukken, Sumatra und der malaysischen Halbinsel. Mit der javanischen Expansion dürfte es zu Interessenkonflikten mit Srivijaya gekommen sein, die im Jahr 1016 mit einer militärischen Katastrophe der ,,Javaner`` endete. Die zentralen Strukturen zerfielen wieder in lokale Einheiten. Über die Geschichte Javas gibt es für das 11. und 12. Jahrhundert nur wenige Informationen. In den 1020er Jahren tritt eine neue ,,Herrscherlinie`` mit javanisch-balinesischer Abstammung in Erscheinung.6.19 Erst im 13. Jahrhundert setzt von Java aus eine neue Expansionsbewegung ein, die im 14. Jahrhundert unter der Führung von Majapahit ihren Höhepunkt erreicht. Majapahit dominierte im 14. Jahrhundert das östliche Java, Bali, Madura und für kurze Zeit auch die Straße von Malakka. Die ersten einflußreichen ,,Herrscher`` waren Kertarajaso (1293-1309), dem sein Sohn Jayanagara (1309-1328) folgte. Wegen des Fehlens eines Sohnes trat seine Tochter, die gleichzeitig auch als Ehefrau erscheint und Kertavajas hieß, die Nachfolge an. Sie gebar 1334 einen Sohn, der 1350 als Rajasonagara oder Hayam Wuruk die zentrale Macht ausübte. Ihm zur Seite stand während dieser kurzen, aber einflußreichen Phase, ein Berater namens Gaja Mada (1330-1364), der besonders erfolgreich agierte. Mit dem Tod Rajasonagaras brachen erneut Rebellionen und Nachfolgestreitigkeiten aus, die Mitte des 15. Jahrhunderts zur Destabilisierung führten. Im 16. Jahrhundert war Majapahit wieder auf seine lokale Politik beschränkt. Diese Schwächung dürfte den Aufstieg Malakkas auf der malaysischen Halbinsel gefördert haben, das zum dominierenden Handelszentrum werden sollte.6.20

Majapahit galt als das größte vorislamische Chiefdom in Ostjava. Es sind namentlich die einzelnen ,,Herrscher`` und ihre Regierungszeiten durch javanische Inschriften und Kopien von altjavanischen Texten überliefert (Nagarakertagame, schriftlich fixiert 1365, überliefert durch spätere Kopien, die in Lombok gefunden wurden, sowie ein mitteljavanischer Text, genannt Paravaton und chinesische Berichte).6.21


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Isabella Andrej
1999-03-04