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1.1.4 Sprache und Schrift

Die Erfindung der Schrift um ungefähr 3100 v.Chr. in Babylonien ist nur ein Teil der vielfältigen Veränderungen in dieser Zeit und in dieser Region. Lange Zeit wurde die Erfindung der Schrift viel zu hoch eingeschätzt, z.B. als Unterschied zwischen Prähistorie und Historie. Die Erfindung selbst bedeutete noch keine historische Wende.1.53

Ursachen die zur Erfindung der Schrift führten sind im Zusammenhang mit der Vereinfachung von Verwaltung und religiösem Geheimwissen zu sehen. Das Erlernen der Schrift ist im Gegensatz zum Erlernen von Sprache nicht geschlechtsunabhängig. Lesen und Schreiben war in den ersten Hochkulturen mit Geheimwissen verbunden. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung hatten dieses Wissen; vor allem religiöse Spezialisten und diese waren fast ausschließlich männlich. Damit muß die Erfindung der Schrift im geschlechtsspezifischen Zusammenhang gesehen werden. Der Ausschluß der Frauen aus diesem Wissen war mit weitreichenden Folgen verbunden. Bis heute werden in traditionellen Gesellschaften vorwiegend Mädchen vom Schulbesuch ausgeschlossen, damit minimieren sich gleichzeit ihre Berufschancen.

Die frühen Texte wurden nicht geschrieben, um Menschen in späteren Epochen über die Umstände zu jener Zeit zu informieren, sie beschreiben nicht Gegebenheiten wie sie wirklich waren, sondern wie es den Menschen in ihrer Sicht am besten erschien. In den Texten wurden vorwiegend außergewöhnliche Ereignisse beschrieben - wie Krieg und Eroberung oder Erklärungen über die damalige Weltordnung. Die Erfindung der Schrift hatte auf das soziale Leben der Menschen selbst tiefgreifende Auswirkungen. Die Schrift wurde zum neuen Kommunikationsmedium, und ihre wesentlichste Funktion lag in der Objektivierung von Sprache.1.54


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Isabella Andrej
1999-03-04