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5.2.1.6 Das Loango-Chiefdom

Ab dem beginnenden 16. Jahrhundert bildete die Vili-Bevölkerung im westlichen Zentralafrika das Loango-Chiefdom. Die Ausübung des Feuerkults und die Durchführung der Regenzeremonien waren die wichtigsten Symbole der Macht des Chiefs. Seine Autorität beruhte eher auf priesterlicher als auf politischer Macht. Jeder Maloango zündete ein ntufia (heiliges Feuer) an, das solange brannte, bis es starb.5.40

Eine Besonderheit innerhalb des politischen Bereiches stellte ein zweites Gericht parallel zum Paramount Chief dar. Dieses zweite Gericht wurde von einer Frau geleitet, die als seine Schwester, seine Frau oder als Mutter seiner Erben beschrieben wird. Ihre Hauptfunktion war die symbolisierte Repräsentation der Frauen und ihrer Rechte. Diese weiblichen Chiefs oder Chieftitel mit weiblichen Attributen seien bei der Savannen-Bantu-Bevölkerung üblich, ebenso wie matrilineare Charakteristika bei vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen der Savanne und des südlichen Waldlandes auftreten, ohne daß politische Beziehungen nachweisbar wären. Die nördlichen Nachbarn der Vili-Bevölkerung folgten alle matrilinearen Deszendenzregeln bis einschließlich der Ogowe. Ab dem 19. Jahrhundert drangen patrilinear organisierte Fang-Immigranten in das Waldgebiet von Gabon und Kamerun ein.5.41 Im nordwestlichen Waldgebiet lebte eine Bevölkerung, die sich aus einer großen Anzahl kleiner, isolierter, unterschiedliche Bantu-Sprachen sprechenden Bevölkerung zusammensetzte. Dies dürfte die älteste bantu-sprechende Bevölkerung Zentralafrikas gewesen sein. Die Handelsbeziehungen der Portugiesen dehnten sich im 16. Jahrhundert weiter aus und führten zur Migration kleiner Gruppen vom Hinterland zur Küste in die Handelszentren: von den Bergen Kameruns drangen die Balundu und Bakole ins Siedlungsgebiet der alten Efik-Küstenbewohner ein und aus der dualen Bevölkerung entstand um 1600 eine neue Dynastie.5.42


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Isabella Andrej
1999-03-04