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4.3.2 Wirtschaftliche Tätigkeiten im Jahreszeitenzyklus

Die Stämme der einzelnen Konföderationen betrieben Wanderfeldbau mit verschiedenen Maissorten (geschätzt werden 15 bis 17 Sorten), Bohnen und Kürbissen. Die Nahrungsversorgung war bei den irokesischen Stämmen außerordentlich reichhaltig und abwechslungsreich und wie Morgan in ,,League of the Iroquois`` bemerkte, weitaus besser als die typische Nahrung der Europäer. Außerdem hatten sie hervorragende Kenntnisse zur Konservierung und Lagerung ihrer Nahrungsmittel.4.126

Überdies hatte der Fischfang Bedeutung und in geringem Ausmaß auch die Jagd sowie das Sammeln von Wildfrüchten. Die Subsistenzaktivitäten waren durch den Jahreszeitenzyklus bestimmt. Männer und Frauen desselben Langhauses erfüllten je nach Jahreszeit unterschiedliche Aufgaben. Die Frauen bildeten Arbeitsgruppen, die den Hauptanteil an der Arbeit und an der Verantwortung trugen. Anderson beschreibt anhand der Huronen die Subsistenzaktivitäten:
(1) Im Frühjahr begannen die Arbeitsgruppen der Frauen und Männer das Land für die Bepflanzung vorzubereiten: die Männergruppen fällten die Bäume, die Frauengruppen brannten das Unterholz ab, oder verbrannten das Unkraut und die Maisstangen des Vorjahres, um dadurch den Boden mit zusätzlichen Nährstoffen anzureichern. Andere Aktivitäten zu Beginn des Frühjahrs waren: für die Männer die Jagd, die vom Klan organisiert wurde; für die Frauen jedes Langhauses das Sammeln von zusätzlicher Nahrung.4.127
(2) Im Sommer waren die Dörfer der Wendat in der Regel nicht bewohnt: die Männer fischten, trieben Handel (der bei den Wendat besonders große Bedeutung hatte) und führten Krieg; die Frauen arbeiteten auf den Feldern, wo sie mit ihren Kindern in kleinen Hütten lebten. Ende Mai führten die Frauen die Pflanzarbeiten durch, danach waren sie mit Jäten, Verscheuchen von kleinen Tieren und Vögeln gemeinsam mit den Kindern beschäftigt. In der Regel bildeten die Frauen Gruppen, die von einem Feld zum nächsten zogen. Im Spätsommer sammelten sie Wildbeeren, Obst und Hanf; ernteten den Mais, der getrocknet und in eigens dafür vorgesehenen Behältern gelagert wurde.4.128


11höchstwahrscheinlich jede Frau ihr eigenes Feld hatte, bewahrten alle Frauen eines Langhauses ihren Mais gemeinsam auf; jede nahm aus den gemeinsamen Vorräten des Langhauses, was sie für die täglichen Mahlzeiten der Familie benötigte.4.129
Die im Zitat angeführte Annahme, daß eine einzelne Frau Grund und Boden besessen habe, ist eher unwahrscheinlich, da auch bei den Männern das Privateigentum des einzelnen an den Handelsgütern fehlt, deshalb werden die erweiterten matrilinearen Einheiten des Langhauses die Felder - zumindest solange sie bebaut wurden - als gemeinsames ,,Eigentum`` angesehen haben.
(3) Im Winter brachen vorwiegend die Männer auf, um Elche, Hirsche und andere große Tiere zu jagen. In den Sümpfen gab es zahlreiche Biber und Biberratten; dadurch waren die Jagdzüge besonders erfolgreich. Jagten die Männer in der Nähe der Unterkünfte, kam es gelegentlich vor, daß auch Mädchen sie begleiteten, wie z.B. Mrs. Jemison, um die erlegten Tiere ins Camp zu tragen.4.130

Die Wirtschaft der Wendat-Konföderation war durch den Zwischenhandel mit den Franzosen bestimmt und spielte ab 1710 eine immer größere Rolle. Der Handel war Aufgabe weniger Männer, denn nur die Repräsentanten eines Klans durften Handel treiben. Die Handelsgüter - Felle und Mais - waren Klaneigentum und nicht Privateigentum. Als die begehrtesten Handelswaren der Wendat gelten die Äxte, die vorwiegend als Frauenwerkzeuge dienten, worauf Ausgrabungen hindeuten. Die Frauen beseitigten mit den Äxten das Unterholz auf ihren Bodenbauflächen und verwendeten Äxte zum Sammeln von Feuerholz.4.131


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Isabella Andrej
1999-03-04