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2.2.1 Spätere Interpretationen des ,,Mutterrechts``

Mit Sicherheit kann gesagt werden, Bachofen war nicht der Entdecker des Matriarchats - das hat es nie gegeben -, er selbst hat den Begriff nie verwendet. Es gab Matriarchatsmythen, welche von ihm zusammengefaßt und interpretiert worden sind. Nach Uwe Wesel hat Bachofen mit der Identifizierung von Mythos und Logos, von Legende und Geschichte einen neuen Mythos geschaffen, dessen Inhalt die sittliche und geistige Überlegenheit der Männer war, welche sich nach langen Kämpfen ,,endlich`` gegen die kultische Überlegenheit der Frauen durchgesetzt habe. Damit hat Bachofen die objektive Funktion der Männerherrschaft seiner Zeit zu legitimieren versucht, wie es auch die antiken Schriftsteller vor ihm taten. Bachofen war ein Mytheninterpret, aber auch ein Mythenproduzent. Er war zwar unbewußt, aber sicher nicht ein unschuldiges Werkzeug dieser Wiedergeburt eines Mythos zur Erklärung einer bestimmten Sozialorganisation.2.154 Gerade sein Mythos über die Herrschaft der Frauen in der Familie und im Staat sollte noch weit ins 20. Jahrhundert weitertradiert werden, die Inhalte sind bis heute nicht verschwunden. Die Bezeichnung ,,Matriarchat``, Herrschaft der Mütter, wird weder von Bachofen noch von Morgan oder Engels gebraucht. Sie ist erst später aufgekommen.2.155

Was blieb von Bachofens Vorstellungen? Vieles war falsch und hielt einer historischen Nachprüfung nicht stand. Es gab keine Gynaikokratie oder Matriarchat und keine derartige allgemeine Kulturstufe der Menschheit. Die Fehlinterpretationen und Übertreibungen im ,,Mutterrecht`` und der ,,amazonischen Ausartung``, die in den Mythen geschildert werden, hatten und haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Fragmente seines Werkes haben aber nicht ihre Bedeutung verloren, vor allem das Interesse an Gesellschaften ohne Patriarchat - im antiken Ägypten, Kreta und Lykien -, die auf Matrilinearität und teilweise Matrilokalität beruhen, war und ist entscheidend für sein Werk. Durch McLennan und Morgan schien der verblüffende Beweis für die Richtigkeit seiner Rekonstruktion erbracht worden zu sein. Die Gedanken von Morgan wurden von Marx und Engels übernommen und als Teil der allgemeinen Lehrsätze des Marxismus verwendet - ein großer Irrtum, wie sich später herausstellen sollte.

Da unter den Autoren der klassischen Evolutionisten meines Wissens keine einzige Frau zu finden ist, aber trotzdem eine Frau zu Wort kommen sollte, verwende ich hier das Werk von Marianne Weber, geborene Fallenstein und Ehefrau von Max Weber, mit dem Titel ,,Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung. - Eine Einführung``.2.156 Sie beschäftigt sich - wie im Titel bereits angekündigt - mit der gesellschaftlichen Stellung der Frau im Zusammenhang mit der historischen Entwicklung des Rechts. Marianne Weber geht in sechs Kapiteln auf die Thematik ein, ausgehend von den - wie sie es ihrer Zeit entsprechend nennt - ,,Primitiven Geschlechtsverbindungen und legitime Ehe``, beschreibt ,,Die Ehe bei den antiken Kulturvölkern``, ,,Die Ehe im germanischen-mittelalterlichen Recht``, ,,Der Eheauffassung und Eherecht im Zeitalter des Rationalismus und der Kodifikationen``, über ,,Das Eherecht des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches``, bis zur ,,Ehekritik, Ehescheidung und außerehelichen Geschlechtsbeziehungen`` - ein umfassendes, sehr informatives Werk, das eigentlich nur durch einen ,,Zufall`` in dieser Arbeit verwendet wird. Man könnte vermuten, dieses Buch von Marianne Weber wäre in der neueren Literatur von Frauen über Frauen im Zusammenhang mit der Diskussion über das Mutterrecht zitiert worden, tatsächlich aber verdanke ich den wertvollen Literaturhinweis Stefan Breuer.2.157 In seinem Buch ,,Max Webers Herrschaftssoziologie`` stehen folgende Zeilen:


11den Agrarproblemen Ostelbiens und der Antike gab es jedoch noch einen zweiten Bereich, der Webers Aufmerksamkeit auf das Phänomen des Patriarchalismus lenkte: die Frauenemanzipation. Wie Marianne Weber berichtet, war ihr Mann an allen damit zusammenhängen Fragen stark interessiert und auf vielen Gebieten frauenrechtlerischer als sie selbst, nicht zuletzt auch aus einer Oppositionshaltung gegen den Patriarchalismus von Max Weber senior (Roth 1989, XIV). Er ermutigte Marianne, sich in der Frauenbewegung zu engagieren, beteiligte sich an den Diskussionsabenden des Heidelberger Frauenvereins und setzte sich nachdrücklich für die rechtliche Gleichstellung der Frau in der Ehe, für die Durchsetzung des staatsbürgerlichen Gleichheitsstatus und für gleiche Bildungschancen ein (Gilcher-Holtey 1988, 147ff.). Von ihm ging auch die erste Anregung zu der voluminösen Studie über ,,Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung`` aus, die Marianne Weber 1907 publizierte. Nicht nur in der Konzeption, auch in Durchführung und Stil ist dieses Buch so stark von Max Weber mitgeprägt, daß man es getrost auf weite Strecken als eine Gemeinschaftsarbeit ansehen kann (Roth 1989, XVI); wofür im übrigen auch spricht, daß wesentliche Motive daraus in späteren Schriften Webers wieder auftauchen (WG 212 ff.; Weber 1958, S.41 ff.).2.158
Der Hinweis, daß die Ehefrau von Max Weber ein Buch geschrieben hat, das durch seine Arbeiten stark beeinflußt sei und in der Literatur kaum zitiert wird, war ausschlaggebend dieses Buch zu lesen. Marianne Weber wendet sich in ihrem Buch in erster Linie an Frauen, die das Bedürfnis haben, sich in die Kulturgeschichte ihres eigenen Geschlechts einzulesen. In ihrem Vorwort schreibt sie über ihre Arbeit:

11 Eine Frau, die sich auf einem ihr ursprünglich ganz fremden Gebiet versucht, ist verpflichtet, sich und andere darüber ins Klare zu setzen, inwieweit sie beanspruchen darf, selbständig gearbeitet zu haben. Ich meine damit nicht die Anlehnung an die vorhandene Literatur: - diese versteht sich, obwohl ich natürlich überall die mir sprachlich irgendwie zugänglichen Quellen kennen zu lernen bestrebt war, bei dem Charakter des Buches ganz von selbst, - sondern die Inanspruchnahme persönlichen Rates und direkter Unterstützung. Ich habe die erste Anregung zu der nachstehenden Arbeit von meinem Mann erhalten und bin, wo immer allgemeine kulturgeschichtliche Zusammenhänge berührt sind, natürlich durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, Vorlesungen und den persönlichen Gedankenaustausch beeinflußt. Die in der äußeren Form der Quellen sehr verwickelte Struktur des römischen Eherechts ferner wäre mir ohne seine wiederholte Hilfe wohl nur sehr langsam verständlich geworden. In zahlreichen Zweifelsfällen habe ich aber auch sonst bei der endgültigen Redaktion seinen Rat erbeten und verdanke ihm so eine Anzahl von Einzelformulierungen direkt, nicht nur an den beiden Stellen, wo dies unter dem Text ausdrücklich vermerkt ist. Im übrigen aber trage ich für die allgemeine Anlage des Buchs ebenso wie für das Maß, in dem es mir gelungen ist, in den oft ziemlich spröden Stoff einzudringen und ihn, soweit er rechtsgeschichtlicher Art ist, aus dem juristischen Begriffsapparat loszulösen, für die Korrektheit der Einzeldarstellung ebenso wie für die vertretenen Anschauungen, allein die Verantwortung.2.159

Daß Max Weber für die Sozialwissenschaften der wichtigste Autor seiner Zeit war und heute immer wieder auf ihn zurückgegriffen wird, steht außer Frage; aber warum dann seine Frau nicht auch zu manchen seiner Themen Fragen gestellt haben sollte und er vielleicht daraufhin Antworten gesucht haben könnte, sollte meines Erachtens nicht ganz vergessen werden.

Marianne Weber definiert das Mutterrecht in folgender Weise:


11 Nachdem wir an konkreten Beispielen die durchaus verschiedenartige praktische Bedeutung des Mutterrechts und die Vieldeutigkeit dieses Begriffs kennen gelernt haben, können wir uns nun noch einmal resümierend die Frage nach seiner Entwicklungsgeschichtlichen Stellung vorlegen. Dabei haben wir ... aus diesem Begriff die von Bachofen und den meisten sozialistischen Vertretern der Mutterrechts-Theorie hineingezogene Vorstellung eines damit gegebenen Rechts der Mutter und überhaupt einer günstigen Lage der Frau völlig auszuscheiden. ,,Mutterrecht`` bedeutet ja, wie oben analysiert, zunächst gar nichts weiter, als eine faktische Konsequenz des Vatermangels und als solches existiert es natürlich überall da, wo Kinder sind, die im Rechtssinn keinen Vater haben, der für sie sorgt und sie sich zurechnet, und wo diese Kinder dennoch nicht - was bei Kulturvölkern vorkommt - von jeder Familienzugehörigkeit, auch derjenigen zur mütterlichen Sippe, ausgeschlossen werden. Und Kinder in ähnlicher Lage, wie sich in der modernen Gesellschaft die ,,unehelichen`` befinden, gibt es natürlich immer und überall, bei den Australnegern so gut wie bei uns. Nur ist eben diese, aus dem Vatermangel entstehende, mutterseitige Verwandtschaftszurechnung keine allgemeine ,,ursprünglichere``, der Vatergewalt vorangehende ,,Entwicklungsstufe``, sondern bei der ganz überwiegenden Mehrzahl der Völker von jeher Nebenerscheinung des herrschenden Patriarchalismus.2.160

Aus diesem wie auch aus dem folgenden Zitat aus Marianne Webers Werk entnehme ich mehrere Gesichtspunkte, wodurch sich die Autorin von den klassischen ethnologischen Evolutionisten abhebt und die auch bis heute weithin Gültigkeit besitzen:

(1) Nach Marianne Weber stellt das ,,Mutterrecht`` keine universale ,,Kulturstufe`` in der Entwicklung von Gesellschaften dar. Ihrer Auffassung nach läßt sich weder aus den historischen Quellen noch aus den ethnologischen Befunden - die ihr damals zur Verfügung standen -, überhaupt keine Gesellschaftsform identifizieren, in welcher es so etwas wie eine ,,Gynaikokratie``, also Herrschaft der Frau im geschlechtsspezifischen Sinne gegeben hätte.

(2) Marianne Weber erklärt das Vorkommen einer ,,dominanten`` Stellung der Frau aus spezifischen sozialstrukturellen Konstellationen, die nur selten anzutreffen sind; am wichtigsten erscheint ihr dabei eine gewisse Abwesenheit der Männer im Sinne eines ,,Vatermangels`` und damit verbunden der Abwesenheit der sonst üblichen ,,Vatergewalt``, wobei auffällt, daß sie über die Ursachen des Fehlens derselben eigentlich nichts aussagt; Marianne Webers Hinweis auf ,,uneheliche`` Kinder halte ich jedenfalls für wenig überzeugend. Wie wir später sehen werden, gibt es genau dazu aus der neueren ethnologischen Forschung relativ gute empirische Grundlagen, welche exakt dieses Phänomen der ,,Abwesenheit`` der Männer erklären können, nämlich über den Zusammenhang von Migration, uxorilokaler Residenz, ,,externaler Kriegführung`` und matrilinearer Abstammung; ich komme darauf zurück.

(3) ,,Mutterrecht`` ist nach Marianne Weber nicht identisch mit ,,Muttergewalt`` in einem gesellschaftstheoretischen Sinne, sondern ist weitgehend beschränkt auf (i) ein flexibles Ehe- und Scheidungsrecht (die Frau entscheidet selbst, wann ihre Ehe beendet ist), auf (ii) besondere Vorrangstellung der Frau bei der Erziehung der Kinder (bis zum Alter der Initiation) und auf (iii) eine gewisse Privilegierung der Frau im Erbrecht (Grund und Boden, aber auch gesellschaftliche Positionen, z.B. die Position des Chiefs, etwa bei den Trobriandern, die Malinowski beschrieben hat).


11 Ferner liegt auf der Hand, daß die Hypothese eines ursprünglichen allgmeinen Matriarchats im Sinne einer Herrschaft der Frau in der Familie und ihrer Beteiligung am öffentlichen Leben, als genereller der ,,Ehe nach Vaterrecht`` vorausgehender Stufe, völlig unhaltbar ist. Die matriarchalen Erscheinungen haben vielmehr in ihrer außerordentlichen Seltenheit und offenbar höchst individuellen Bedingtheit lediglich als ethnologische Kuriosität, aber durchaus nicht als ,,Entwicklungsstufe``, Interesse. Zumal da selbst das, was man unter Matriarchat versteht - was bisher immer wieder unbeachtet geblieben ist - nicht einmal eine soziale Gleichstellung der Frau garantiert. Also: ,,Mutterrecht`` ist nicht identisch mit einem positiven Recht der Mutter. ,,Mutterrecht`` ist ferner nicht identisch mit Muttergewalt. Muttergewalt als Rechtsprinzip ist nicht identisch mit faktischer Gleichwertung der Frau. - Auch in Bezug auf die Stellung der Frau als Geschlechtswesen vereinigt das Mutterrecht die größten Extreme: völlige sexuelle Ungebundenheit, die ihr erlaubt ,,was gefällt``, dabei auch ein Prostitutions-artiges Nebeneinander mehrerer Verhältnisse, oder Beschränkung des Verkehrs einer einzelnen oder einer bestimmten Anzahl von Frauen auf eine bestimmte Anzahl von Männern (Polyandrie und ,,Gruppenehe``); ferner als weitaus häufigste Erscheinung ihrer zeitweiligen Beschränkung auf einen Mann, so lange sie mit ihm zusammenlebt; endlich aber auch Verhältnisse, die ihr dauernde Treue gegen einen Mann auferlegen nach Art unserer monogamen Ehe. Also ist Mutterrecht auch nicht identisch mit sexueller Ungebundenheit der Frau.2.161

Bachofens Theorie über die Entwicklung der Familie, die er selbst als Entwicklungsgeschichte der Menschheit sah, wurde in den nachfolgenden Werken - vor allem im deutschsprachen Raum - in eine ,,Utopie`` der Überwindung des Patriarchats uminterpretiert. Den Wünschen der Emanzipation und Gleichberechtigung der Frauen entsprechend entwickelten einige Feministinnen eine Version der einstigen Frauenmacht, die sie von den Mythen, die Bachofen interpretiert hatte, ableiteten. Sie sahen in der Rückkehr zum weiblichen Prinzip das Allheilmittel gegen alle Probleme, die sich durch die ,,patriarchale`` Gesellschaftsordnung ergeben hätten.2.162

Die Gründe für die erneute Auseinandersetzung mit dem Mutterrecht im 20. Jahrhundert waren somit vielfältiger Natur, die in erster Linie mit einer allgemeinen Krisenstimmung zu tun hatten: Industrialisierung, Verstädterung, Krise der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren, Technisierung und damit verbunden, die gesellschaftlichen Veränderungen und vieles mehr, riefen Ängste in der Bevölkerung hervor, gleichzeitig hatten sie aber auch positive Auswirkungen: es entstanden Freiräume, wie z.B. verbesserte Bildungschancen sowohl für Männer als auch für Frauen (Universitätsstudium für Frauen, 1918 erhielten Frauen das Wahlrecht Deutschland/Österreich).2.163

Eine der ersten Frauen, die sich mit einer Publikation zum Matriarchat bemerkbar machte, war Bertha Eckstein-Diener. Jedoch veröffentlichte sie ihr Buch ,,Mütter und Amazonen. Ein Umriß weiblicher Rechte`` (1932) unter dem Pseudonym Sir Galahad. Sie wollte mit ihrem Buch das Selbstbewußtsein der Frauen stärken und ihnen ihre eigene ,,mutterrechtliche`` Vergangenheit wiedergeben.2.164

Unzählige weitere feministische Publikationen über das ,,Mutterrecht`` oder ,,Matriarchat`` folgten, die aber in dieser Arbeit nur im Überblick behandelt werden können. Es stellt sich wiederholt die Frage, warum das Mutterrecht bis heute so uneingeschränkt verehrt wird. Als Gründe können genannt werden: das Chaos nach den Weltkriegen in Europa, damit verbunden ein Rückzug in die Kernfamilie als Ausweg aus der gesamtgesellschaftlichen Krise. In diesem Zusammenhang ist die Idealisierung der Frau als Mutter und als Hausfrau zu sehen; der Mann aber als der im öffentlichen Leben stehende und Ernährer der Familie; anscheinend konnten sich sowohl Frauen als auch Männer mit dieser geschlechtlichen Rollenzuteilung identifizieren und dies wiederum prägte die 1950er und 1960er Jahre in Europa.2.165

Die etablierte Ordnung wurde erst mit der 1968er Bewegung, an der sowohl Studenten als auch Studentinnen beteiligt waren, wieder in Frage gestellt. Röder, Hummel und Kunz sehen im Protest der Frauen im öffentlichen Bereich gegen die patriarchale Außenwelt, den Kampf für eine ,,neue Lebensform`` und schreiben darüber:


11Selbsterfahrungsgruppen ergänzten ihn [den Schauplatz], um die biographische Rückbesinnung. Hier analysieren Frauen ihre patriarchal deformierte Innenwelt und versuchten, ihrer Unzufriedenheit, ihren Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten auf die Spur zu kommen, ,,authentische``, d.h. selbstbestimmte Identität und Weiblichkeit zu entwickeln.2.166

Hier diente Bachofens ,,Mutterrecht`` als Ausgangspunkt für ein neues Selbstbewußtsein und sollte zur Selbstbestimmung der Frau beitragen. In diesem Zusammenhang wurde aber hervorgehoben, daß das Matriarchat nicht einfach in Opposition zum Patriarchat zu sehen sei, sondern die gesellschaftlichen und politischen Strukturen - wie Röder, Hummel und Kunz vermuten - sollten idealerweise herrschaftsfrei, egalitär, basisdemokratisch und im Einklang mit der Natur stehen.2.167

Röder, Hummel und Kunz beziehen sich auf Bachofen, der selbst im Vorwort zum ,,Mutterrecht`` anmerkt: ,,Das vorliegende Buch nimmt keinen anderen Anspruch in die Öffentlichkeit mit als den, der gelehrten Forschung einen neuen, nicht leicht zu beendigenden Stoff des Nachdenkens vorzulegen.`` - Somit sei dieser Prozeß bis heute nicht abgeschlossen. Insgesamt sind nach seinem Werk bis 1988 rund 1400 neue Publikationen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, erschienen.2.168 Danach ist die Wirkung, die Bachofen bis in die Gegenwart ausübt, nicht zu unterschätzen. Die Rekonstruktion der Menschheitsgeschichte ist weiterhin ein Thema im Zusammenhang der Geschlechterbeziehungen für folgende Wissenschaftsbereiche geblieben: Rechtsgeschichte (z.B. Uwe Wesel), Alte Geschichte, Klassische Philologie, Wissenschaftsgeschichte, Altertumswissenschaft, Religionswissenschaft (Susanne Heine), Philosophie und Psychologie. Die Ur- und Frühgeschichte hätte sich - so die drei Autorinnen - bisher an dieser Diskussion aber nicht beteiligt, deshalb versuchen Röder, Hummel und Kunz sich als Archäologinnen dem Thema zu nähern. Anscheinend glaubten sie wirklich, anhand von Artefakten einen Beweis über das Vorhandensein einer mutterrechtlichen oder - wie sie es nennen - ,,mutterzentrierten`` Gesellschaft zu finden.2.169 In der Aufzählung der Wissenschaftsbereiche fehlen aber - meines Erachtens - zwei wesentliche Richtungen: Soziologie und vor allem die Ethnologie.

In der feministischen Literatur wurden und werden die Ursachen der Benachteiligung der Frau intensiv und zum Teil kontrovers diskutiert. Einige vermutete Gründe sind in der vorliegenden Arbeit bereits besprochen worden: biologische Ursachen wie z.B. der Geschlechtsdimorphismus und Neotenie. In diesem Zusammenhang verweisen die Archäologinnen auf Borneman, der zur Befreiung der Frau folgendes schreibt:


11politische Befreiung der Frau gelingt nur durch ihre biologische Befreiung von ,,Menstruation, Schwangerschaft, Verwundbarkeit der Mammae. Ehe wir nicht alle drei beseitigt haben, kann es keine Gleichheit der Geschlechter geben``.2.170

Die Kritik trifft Borneman in noch stärkerem Ausmaß, da er sich mit seiner Aussage auf ein Niveau begibt, daß eigentlich im 19. Jahrhundert abgeschlossen hätte sein müssen. Er glaubte anscheinend, ebenso wie Bachofen, die bestehende männliche Gesellschaftsordnung erneut als ,,gegeben`` bestätigen zu müssen, ohne auch nur im Ansatz die bisher dazu erschienene amerikanische Literatur wie z.B. Kathleen Gough2.171 gelesen zu haben. Die Frauenbewegung konnte sein Buch deshalb nur ablehnen und demonstrierte Unabhängigkeit: Borneman habe sich durch - wie Göttner-Abendroth 1989 schreibt - die ,,patriarchale Sprache und patriarchales Bewußtsein`` disqualifiziert; nach Beate Wagner-Hasel vor allem dort, ,,wo Wissenschaft noch immer als männliche Domäne akzeptiert wird``.2.172

Göttner-Abendroth ist aber mit ihren Argumenten am wenigsten geeignet, irgendeine Kritik zu äußern. Sie verstand es vielmehr ein Geschäft aus dem mangelnden Selbstbewußtsein der Frauen zu machen. Ende der 1970er Jahre definierten mehrheitlich die Feministinnen die Frau wieder als Naturwesen, doch die Nähe zur Natur wurde ausschließlich positiv gesehen und bedinge dadurch ihre Überlegenheit gegenüber dem Mann, d.h. die bisher angenommene weibliche Schwäche in Stärke zu verwandeln, und so wird Schwangerschaft und Mutterschaft als zentraler Aspekt des Frauseins dargestellt und mystifiziert.2.173

,,Wiederbelebung der Göttinnen?``, ein weiterer Buchtitel einer evangelischen Theologin namens Susanne Heine,2.174 greift ebenso das Thema auf, und diskutiert unterschiedliche Ansätze. Sie stellt die Versuche von Theologinnen und Pfarrerinnen, die die ,,Mütterlichkeit`` in den christlichen Texten aufzeigen wollten, dar - wie z.B. Berichte von Heilspropheten der Exilzeit (6. Jh.v.Chr.) im Alten Testament, usw. Susanne Heine schreibt darüber folgendes:


11läßt sich gewiß einiges Weibliche zusammentragen und als Gegengewicht gegen eine lange Tradition einseitiger Betonung der Männlichkeit Gottes formulieren. Dennoch bleibt die Frage, ob das auch redlich und sinnvoll ist. Ohne Zweifel überwiegen in den biblischen Texten die männlichen Bezeichnungen der Eigenschaften und Handlungsweisen Gottes. Dementsprechend wirken die feministischen Bemühungen um das weibliche Gottesbild auch ein wenig gezwungen, besonders dort, wo mit dem Genus der Wörter argumentiert wird. Das Wort ,,Geist`` z.B. weist in den verschiedenen Sprachen alle Geschlechter auf: In der deutschen Sprache ist er männlich, in der griechischen sächlich, in der hebräischen weiblich; im Englischen haben Nomina überhaupt kein Genus. Was also ist mit dieser Argumentation gewonnen, wenn man dazu bedenkt, daß z.B. ,,Macht``, ,,Gewalt`` oder ,,Größe`` weiblichen Geschlechts sind, obwohl nach feministischem Urteil von engstem Bezug zum Charakter des Männlichen; und das nicht nur im Deutschen: Im Hebräischen ist nicht nur das Schwert weiblich, sondern sogar die ,,geburah`` - die Manneskraft.2.175

Im Sinne Heines sollte der christliche Gott sowohl als männlich als auch als weiblich gesehen werden, die Trennung zwischen den Geschlechtern wäre auf der Erde vollzogen, aber nicht im göttlichen Bereich. Daraus ergäbe sich, daß die Herrschaft der Menschen über Menschen nicht die Schuld Gottes sei.2.176 Die Mythen und Riten aus grauer Vorzeit wiederzubeleben und in unsere Zeit zu übernehmen, sei unzulässig, da die Selektion der Motive - wie es Feministinnen tun - ausschließlich dazu dienen: ,,So wollen Frauen heute sein; sie wollen die Tradition männlich-destruktiver Dominanz über ihren Leib und ihre Seele zerbrechen.`` Heine stimmt zu, daß eine Veränderung notwendig sei, aber die gewählten Argumente lassen sich nicht aus Gottesmythen gewinnen.2.177


11Wiederbelebung der Göttinnen und mit ihnen der Naturreligionen bedeutet die Negation des Ich, des Bewußtseins, der Freiheit in Denken und Handeln und damit des Personseins des Menschen; und die Behauptung, daß dies nicht beabsichtigt sei, setzt die Logik dieser Denkpraxis nicht außer Kraft.2.178

In ihrem dritten Kapitel ,,Matriarchat - das verlorene Paradies`` zitiert Heine den folgenden Satz von Marie-Luise Janssen-Jurreit (1976), der das Interesse an der historischen Rekonstruktion von matriarchalen Kulturen nochmals aufzeigt:


11Behauptung eines frühgeschichtlichen Matriarchats oder einer Gleichstellung der Geschlechter in prähistorischen Zeiten war für die Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts besonders attraktiv, denn sie lieferte ihr im Namen der Wissenschaft den Beweis, daß weibliche Unterdrückung historisch und nicht biologisch sei.2.179

Zweifler am Matriarchat, oder diejenigen, die die Existenz zwar anerkennen, aber als niedrige Menschheitsstufe abwerten, seien - nach Göttner-Abendroth - dem Patriarchat zum Opfer gefallen. Der Erfolg, den Göttner-Abendroth mit ihren Büchern erreichte, kann wohl nur in Anlehnung des Satzes von Janssen-Jurreit gesehen werden: Frauen wollten sich von ihrer Unterordnung befreien und jedes Mittel, das dazu beitragen konnte, war erlaubt. Göttner-Abendroth etablierte ein Institut, organisiert Reisen zu den Kultstätten der ,,Matriarchats-Göttinnen``, bietet Seminare, aber auch einwöchige Kurse zur theoretischen und praktischen Einführung ,,in die Inhalte frauenzentrierter Ur- und Frühgeschichtsforschung`` mit Exkursionen zu matriarchalen Megalithanlagen usw., an. Sie verdient nicht schlecht an den Frauen, die sich ihr anvertrauen, oder wie Röder et al. es umschreiben: ,,Die autonome Matriarchats- und Göttinnenforschung hat einen Markt geschaffen, auf dem sie ihre Erkenntnisse in bare Münze umsetzt``.2.180

Bachofen konnte man noch zugute halten, daß er sich nur auf spärliche archäologische Funde aus der Frühzeit berufen hatte können, doch was von heutigen Autorinnen an rein spekulativen Kulturinterpretationen angeboten wird, läßt sich vom wissenschaftlichen Standpunkt kaum begründen, d.h. hier spielen offenbar eine Reihe von ,,praktischen`` und/oder psychologischen Motiven eine Rolle. Dazu bemerken Röder et al.:


11der Tatsache, daß das Matriarchat für viele als historische Wahrheit gilt und darüber hinaus zahlreiche sozialpsychologische Funktionen erfüllt, ist es höchste Zeit, die Frage ,,Was ist dran an `Mutterrecht' und `Matriarchat'?`` (Laugsch 1990) von seiten der für sie zuständigen Archäologie zu beantworten.2.181

Röder et al. gehen weiters auf die sowjetische Archäologie der 1950er Jahre ein, die eine enge Verbindung zur Ethnologie hatte. In diesem Zusammenhang sind durch Feldforschung Beweise erbracht worden, daß Matriarchat und Patriarchat nicht mehr zur Periodisierung der Menschheitsgeschichte herangezogen werden sollten; aus ihren Feldforschungen schlossen die sowjetischen Ethnologen, daß es wie in den rezenten segementären Gesellschaften auch in denjeniger der grauen Vorzeit keine Herrschaftsverhältnisse gegeben haben könne, d.h. der Status von Männern und Frauen weitgehend gleich gewesen sein müsse, wie Semenov 1979 und Fluehr-Lobban 1988 bemerkten.2.182 Röder et al. kritisieren an dieser Vorgangsweise, daß damit in der Rekonstruktion von Gesellschaften des Neolithikums und der Bronzezeit höchstens die Matrilinearität einbezogen werde, was aber nur ein Teilaspekt des Matriachats darstellen könne. - Meiner Meinung nach unterschätzen Röder et al., wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Archäologie und Ethnologie sein sollte und deshalb vermute ich, daß die Zurückweisung der Ethnologie durch die Autorinnen dazu dienen solle, ihr vorgefaßtes Konzept eines Matriarchats zumindest für die Archäologie zu retten.

Die Vertreter der Kulturkreislehre hatten wiederum die Welt in ,,Kulturkreise`` geteilt und nach Entwicklungsstufen sortiert, damit die sogenannten ,,Urkulturen``, ,,Grundkulturen``, ,,Primär- und Sekundärkulturen`` als aufsteigende Linie der Entwicklung der Menschheit verstanden werden können.2.183 ,,Die Parallelisierung führte zum erwarteten Ergebnis: Archäologische und ethnologische Kulturkreise stimmten weitgehend überein. Sie mußten richtig sein, weil sie sich gegenseitig bestätigten.`` Dadurch schien Menghin seine Theorie bestätigt, den ethnologischen Kulturtypen archäologische Kulturen zuzuordnen, so beispielsweise der ,,Jungpflanzerischen Kultur`` die neolithischen Pfahlbauten der Schweiz,2.184 darauf antworten Röder et al.:


11... ist das Matriarchat eines jener Kulturphänomene, die sich nach heutigem Wissensverständnis aus archäologischen Quellen nicht rekonstruieren lassen, sondern diese lediglich interpretieren.2.185

Nach Röder et al. wurde das Thema Matriarchat ,,überwiegend fachfremd`` erörtert, denn die Urgeschichtsforschung hätte sich kaum damit beschäftigt. Am Ende ihrer Arbeit müssen sie aber zugeben, daß anhand archäologischer Quellen weder der Beweis für, noch gegen ein Matriarchat geliefert werden könne. Die archäologischen Quellen seien zunächst stumm, aber es könne unendlich viel hineininterpretiert werden. Sie schließen für sich das Thema mit folgenden Worten ab:


11 Auf ähnliche Weise wie in der Geschichtswissenschaft gilt es auch in der Archäologie, den interpretatorischen Wildwuchs zu begrenzen, den subjektiven Anteil von Interpretationen zu kontrollieren und durchsichtig zu machen. Die Urgeschichtsforschung muß das Spektrum der denkbaren Deutungen auf diejenigen einengen, die einer methodisch-theoretischen Überprüfung standhalten und deshalb plausibel sind. Über den Rang plausibler Interpretationen kommen die wenigsten Ergebnisse archäologischer Forschung hinaus.2.186

Die Autorinnen wollen damit aber nicht ausschließen, daß der ,,Mythos vom Matriarchat`` vielleicht doch noch irgendwann bestätigt werden könnte, denn:


11 Eines der größten Probleme der Archäologie ist es, daß sie bis heute keinen Schlüssel zur Gedankenwelt vergangener Gesellschaften in der Hand hat. Niemand bezweifelt, daß sich diese in irgendeiner Form in archäologischen Funden niedergeschlagen hat, doch wie kann man sie erkennen und verstehen? Die kritische Analyse der Arbeiten von Sir Arthur Evans, James Mellaart und Marija Gimbutas hat gezeigt, daß ihr Weg zur geistigen Welt vergangener Kulturen mit persönlichen Projektionen gepflastert ist, daß sie methodisch und theoretisch mangelhaft vorgehen. Die Suche nach dem Stein der Weisen geht also weiter.
Bis heute ist das Matriarchat mit archäologischen Quellen weder zu beweisen noch zu widerlegen. Gegenteilige Aussagen sind unseriös.2.187

Daß gegenteilige Aussagen von den Autorinnen als ,,unseriös`` abqualifiziert werden, erscheint mir aus ethnologischer Sicht nicht gerechtfertigt; denn sofern sich die Archäologie nicht nur mit ,,Funden``, also materiellen Objekten beschäftigt, sondern auch mit den Gesellschaften, welche diese Objekte hervorgebracht haben, so hat es auch die Archäologie mit ,,segmentären Gesellschaften`` zu tun. Sofern es sich um die Zeit vor der Erfindung des Ackerbaus handelt, konnten es überhaupt nur Jäger- und Sammlergesellschaften gewesen sein. Die Frage der Seriösität oder Unseriösität der Annahme eines Matriarchats läßt sich daher wahrscheinlich aus rein archäologischer Sicht gar nicht beantworten, sondern muß über eine Theorie segmentärer Gesellschaften gestellt werden.

Ähnliches gilt auch für die sogenannten klassentheoretischen Ansätze, welche Paula Webster2.188 (1975) diskutiert, in erster Linie die Autorinnen Eleonor Leacock,2.189 Kathleen Gough,2.190 Simone de Beauvoir,2.191 Elizabeth Gould Davis,2.192 Shulamith Firestone,2.193 auf welche ich hier im Detail nicht eingehen kann, bzw. welche ich im Falle von Kathleen Gough bereits im 1. Kapitel besprochen habe. Das Gemeinsame dieser Schriften scheint mir zu sein, daß hier die Erklärung von Unterordnung und Unterdrückung der Frau auf eine geschlechtsspezifische Machtposition der Männer begründet wird - eine Machtposition, die sich wiederum aus der Entstehung einer Klassengesellschaft herleiten lassen soll. Nicht zufällig spielen auch in diesem Zusammenhang wiederum biologische Argumentationen eine Rolle so z.B. bei Firestone, welche die gesellschaftliche Hierarchie im allgemeinen und die geschlechtsspezifische im besonderen darauf zurückführt, daß Ungleichheit aus der biologischen Funktion des Kindergebärens und der Erziehung durch die Mütter resultiere. Folglich glaubt die Autorin, diese Funktionen müßten von der Frau abgekoppelt werden (,,Kinder aus der Retorte``) und sieht dies als eine Konsequenz einer ,,Notwendigkeit der Revolution``, um Macht und Ungleichheit abzuschaffen.2.194

Ganz anders dagegen die Position von Simone de Beauvoir, für welche ,,das goldene Zeitalter der Frauen`` immer schon ein Mythos gewesen sei, weil politische Macht immer in den Händen der Männer, also männlich bestimmt gewesen sei. Auch für sie bedingt der Schritt zur Freiheit eine ,,sozialistische Revolution``, in welcher mit der Abschaffung von Ausbeutung einer Klasse durch eine andere auch die geschlechtsspezifischen Machtunterschiede ,,aufgehoben`` werden würden.2.195

Eine gewisse Ausnahme stellt in dieser Reihe die Autorin Elizabeth Gould Davis dar, die in der Tat behauptet, es hätte so etwas wie eine Vormachtstellung von Frauen irgendwann einmal in der Geschichte gegeben, also in einem gewissen Sinne eine Umkehrung der oben genannten klassentheoretischen Ansätze. Nach Davis hätten die Frauen gewissermaßen als ,,herrschende Klasse`` die ersten großen Zivilisationen der Sumerer, Kreter und Ägypter errichtet: die Männer wären hier zunächst ausgeschlossen, unzivilisiert, an der Peripherie dieser ,,gynocracies`` stehend und somit völlig machtlos gewesen, aber: ,,Plötzlich war alles aus. Das Paradies verloren. ...``2.196

Davis schreibt:


11all is ended. Paradise is lost. A dark age overtakes the world - a dark age brought on by the cataclysm accompanied by a patriarchal revolution. Nomads, barbaric and uncivilized, roving bands of ejected, womanless men, destroy civilized city-states, depose queens, and attempt to rule in their stead. The result is chaos. War and violence make their appearance, justice and law fly out the window, might replaces right, and the Great Goddess is replaced by a stern and vengeful God, man becomes carnivorous, property rights become paramount over human rights, woman is degraded and exploited and civilization starts on the downward path that it still pursues.2.197

Nach Paula Webster sei diesen Autorinnen gemeinsam, daß sie auf eine radikale Änderung der Gesellschaft setzen, in ihren Analysen jedoch teils problematische Bezüge zur Biologie herstellen, teils eine fragwürdige Interpretation der Geschichte bieten, die sich zum Teil aus den unterschiedlichen wissenschaftlichen Hintergründen der Autorinnen verstehen lassen. Webster bezieht sich in erster Linie auf Friedrich Engels (1972), welcher die ,,welthistorische Besiegung des weiblichen Geschlechts`` auf eine Zerstörung der stammesgesellschaftlichen Verwandtschaftsorganisation durch die Entstehung von Privateigentum (primär an Produktionsmitteln, d.h. hier in erster Linie Grund und Boden), zunehmende Arbeitsteilung, Auseinandertreten von einer Privatsphäre (Institution der monogamen Ehe, Bevorzugung der männlichen Linie) und einer öffentlichen, politischen Sphäre begriffen hat, wodurch die Klassengesellschaft und in dieser die Machtstellung des Mannes über die Frau im selben historischen Prozeß entstanden seien.

[]Theorien zur Entstehung unilinearer Abstammungsgruppen [Kapitel 3:]


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Isabella Andrej
1999-03-04