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2.1.1 Einfluß der Werke von Charles Darwin und Herbert Spencer auf den klassischen Evolutionismus

Untersuchungen zur biologischen Evolution waren ein weiterer wichtiger Punkt im Puzzle der Menschheitsgeschichte. Die bedeutendsten Theoretiker, die dieses wissenschaftliche Problem schon lange diskutierten, waren Goethe, Kant, Linné, Bauffon, Erasmus, Darwin und Lamark. Aber bereits in der Antike war das philosophische Konzept der ,,scala naturae`` bekannt und schon damals wurde versucht, die Entstehung des Lebens aus der anorganischen Welt zu erklären: ausgehend von einer kontinuierlichen Entwicklung aus einfachsten Lebewesen über Pflanzen und Tiere zum Menschen. Die Auffassung der zwangsläufigen Höherentwicklung, sowohl der organischen als auch gesellschaftlichen Formen, führten zu falschen Vorstellungen bei den biologischen Evolutionsprinzipien.2.21

Mit Charles Darwin und seinem Hauptwerk ,,On the Origin of Species`` (1859) erhielt die biologische Evolutionstheorie ihre eigentliche Form. Er formuliert eine neue Theorie und lieferte dazu umfangreiches Belegmaterial. Bis heute sind seine Erkenntnisse die wichtigsten Organisationsprinzipien in der Biologie: Variation, Selektion (später von Darwin eingefügt auch Konkurrenz), die in der modernen Genetik, Molekularbiologie, Geophysik, Geochemie und Verhaltensforschung bestätigt werden konnten.2.22

Als im 19. Jahrhundert Darwins Theorie geboren wurde, war Kultur und Gesellschaft nicht so streng getrennt wie heute. Menschliches Verhalten wurde als instinktives und faires Spiel der evolutionistischen Auslese gesehen, deshalb war das Problem des ,,altruistischen`` sozialen Verhaltens wesentlich größer. Einer, der dieses Problem lösen wollte, war Charles Darwin, der in seiner systematischen Sicht der Humanevolution folgende Werke veröffentlichte: ,,The Origin of Species`` (1859), ,,Descent of Man`` (1871) und ,,The Expression of the Emotions in Man and Animals`` (1872).2.23 Die Hauptdebatte zu Darwins Zeit kreiste um die Frage nach dem Ursprung und die Zusammensetzung der menschlichen Rassen. Im Vordergrund stand die Frage, ob die Rassen als einzige Art mit einem einzigen Ursprung gesehen werden sollten, wie es die Monogeneseanhänger behaupteten, oder ob es mehrere Arten mit vielfachen Ursprüngen gebe, wie es die Polygeneseanhänger vertraten. Darwin entschied sich dafür, daß alle Menschen (human beings) ausreichende Gemeinsamkeiten in der menschlichen Natur aufweisen, daß man sie als eine einzige Art (Spezies) bezeichnen kann.2.24

Das Grundprinzip der biologischen Evolution, ,,daß die systematische Ordnung der gleichzeitig existierenden Arten die historische Ordnung ihrer Entwicklung darstellt``2.25, diente der Ethnologie zur Begründung des evolutionistischen Dogmas, daß von den bestehenden unterschiedlichen Gesellschaftsformen (Kulturen) auf eine exakte Abfolge ihrer Entwicklung geschlossen werden könne. Der Entwicklungsgedanke blieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den historischen Wissenschaften unangefochten. Es herrschte die Überzeugung, ein geeignetes methodisches Mittel gefunden zu haben, um die ungeheure Vielfalt der menschlichen Gesellschaftsformen adäquat erklären zu können.2.26


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Isabella Andrej
1999-03-04