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1.4.2 Die seßhaften !Kung Bushmen

Den bisher beschriebenen traditionell lebenen !Kung Bushmen stellt Draper die erst vor kurzem seßhaft gewordenen !Kung gegenüber. Uns interessiert vor allem die Veränderungen, die die Frauen dadurch erleben mußten. Der geschlechtliche Egalitarismus der Buschbewohner wird in den Dörfern der seßhaften !Kung ausgehöhlt. Dies drückt sich dadurch aus, daß die Frauenarbeit weniger geschätzt wird. Draper konnte beobachten, wie ein Ehemann Konflikte zwischen seiner Frau öffentlich austrug. Dies wäre im Busch niemals der Fall gewesen. Der Mann beschwerte sich über das ,,bockige`` Verhalten und das Nichterfüllen der Haushaltspflichten seiner Frau. Der Verwandtschaft der Frau war das mehr als unangenehm, und übte Druck auf sie aus, damit sie ihre ehelichen Pflichten erfülle. Trennungen von ehelichen Partnern sind im Busch ohne großes Aufsehen möglich. Bei den seßhaften !Kung versuchen die Verwandten der Frau, sich bei Problemen einzumischen, um die Ehe zu retten. Der soziale Druck auf die Frau wird verstärkt. Gründe dafür sind Ängste verschiedener Personen, die durch die Scheidung etwas verlieren könnten. Der Dorfvorsteher hat z.B. ein Interesse daran, daß das Paar und die Eltern der Frau im Dorf bleiben. Käme es zu einer Scheidung, würde die Geschiedene mit ihren Eltern das Dorf sofort verlassen. Sie wären nicht mehr erwünscht.1.161

Gemeinsam mit der Seßhaftigkeit und der stabileren ehelichen Verbindung wird wesentlich mehr Zeit und Energie investiert: beim Bau von widerstandsfähigen Häusern, Rodung und Bepflanzung der Felder, Ernten, Lagern von Vorräten und bei der Betreuung von Ziegen.1.162 Der Altersunterschied zwischen den Ehepartnern ist bei den im Dorf lebenden wesentlich größer. Beim Paar, das Draper beschreibt, ist der Ehemann 30 Jahre und seine Frau 16 Jahre alt. Die Vorwürfe, die ihr Ehemann an sie und ihre Verwandten richtete, würden im Busch sofort zur Trennung führen.

Bereits zwischen den Kindern gibt es eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Die Knaben helfen bei der Betreuung der Tiere und sind regelmäßig außerhalb des Dorfes ohne Aufsicht der Eltern. Die Tiere werden zur Wasserstelle gebracht, wo sie auf bantu-sprechende Knaben treffen und so deren Sprache erlernen. Dadurch erhalten sie Informationen über Menschen außerhalb ihres Dorfes. Die Mädchen hingegen sind immer im oder in der Nähe des Dorfes. Sie begleiten ältere Frauen beim Wasserholen und sind ständig den Zugriffen der Erwachsenen ausgeliefert. Die Nahrungszubereitung in den !Kung Dörfern erfordert einen größeren Zeitaufwand: Getreide, Kurbisse müssen von den Feldern geholt und Mais gemahlt werden. Die permanenten Unterkünfte sind stabiler, besser ausgestattet und insgesamt ist die materielle Einrichtung im Dorf wesentlich vielfältiger. Für die Frauen aber fallen vermehrt routinemäßige Arbeiten an. Sie erneuern regelmäßig die Wände und die Böden der Häuser, die Männer verbessern in wesentlich größeren Zeitabständen die Dächer. Die Arbeiten, die die Männer verrichten, sind aber vorwiegend außerhalb des Dorfes: sie tränken Tiere, helfen bei der Geburt einer Ziege, betreuen trächtige Ziegen, während der Pflanzzeit säubern sie die Felder, errichten Schutzzäune um ihre Felder und Häuser. Manche von ihnen arbeiten einige Tage auf den Feldern der Bantu Bevölkerung, um Geld zu verdienen. Die Männer des !Kung Dorfes sind von einer Aura der Autorität und Überlegenheit gegenüber den Frauen und Kindern umgeben. Politische Angelegenheiten werden ausschließlich von den Männern besprochen und entschieden.



 
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Isabella Andrej
1999-03-04