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1.3.1 Geschlechtliche Arbeitsteilung

Die geschlechtliche Arbeitsteilung ist ein wesentlicher Faktor für die Form der Gesellschaftsorganisation von Jägern und Sammlern. Murdock1.125 konnte bei seinen 175 untersuchten Jäger- und Sammlergesellschaften folgende geschlechtliche Arbeitsteilung feststellen:

Welche Arbeit nun wichtiger ist oder einen höheren Stellenwert für die Gruppe hat, ist unbedeutend, da in Jäger- und Sammlergesellschaften beide Geschlechter aufeinander angewiesen sind. Deshalb spielten Frauen eine ebenso bedeutende Rolle wie Männer in der gesellschaftlichen Evolution!1.127

William Tulio Divale und Marvin Harris führen die männliche Vormachtstellung auf die weitverbreitete Asymmetrie der geschlechtlichen Arbeitsteilung zurück. Danach sind Frauen in Band- und Dorfgesellschaften vorwiegend mit ,,stumpfsinniger`` täglicher Plackerei - wie das Zerkleinern und Zerstampfen von Samenkörnern, dem Wasserholen und Feuerholzsammeln, dem Tragen der Kleinkinder und mit anderen familienbezogenen Dingen - belastet. Hingegen gilt das Jagen mit Waffen als Universalität der Männer. Gleichzeitig sei die männliche Vorherrschaft auch in den politischen Institutionen durch die Asymmetrie gekennzeichnet.1.128 Den beiden Autoren kann in diesem Punkt nicht zugestimmt werden: 1. wird männliche Vormacht sowohl in Jäger- und Sammlergesellschaften und in Dorfgesellschaften behauptet, ohne zwischen den beiden Gesellschaftsformen zu differenzieren; 2. anscheinend sind für die beiden männlichen Autoren weibliche Tätigkeiten mit negativen Vorstellungen verbunden - die Jagd ist vielleicht spannender, aber wie oft ist sie wirklich mit Erfolg gekrönt? - Besteht nicht das Jagen eigentlich aus warten, suchen, hoffen, um vielleicht dann doch noch das Ziel zu verfehlen und nach Stunden oder Tagen als erfolgloser Jäger wieder ins Camp zu den Frauen zurückzukehren? Ein erfolgloser Jäger ist ein schlechter Jäger, der seine Familie nicht mit Fleisch versorgen kann, und eigentlich froh sein muß, wenn er durch das Sammeln der Frau überhaupt überlebt. Wie kann also ein erfolgloser Jäger eine Vormachtstellung in der Familie besitzen? Bis heute sind typisch weibliche Tätigkeiten mit eher negativen Adjektiven versehen, gegenüber den männlichen, die immer als abwechslungsreich, spannend, interessant, etc. bezeichnet werden.

Service schreibt über die Frauenarbeit:


11 Neither men nor women, however, in any society, find their interest much aroused by a description of domestic tasks. ,,Woman's work is never done,`` goes the saying, and woman's work is also dull, repetitive,   unromantic, and usually unremarked. Is it therefore unimportant?1.129

Wenn auch Service von einigen Ethnologinnen kritisiert wurde, so muß hier doch erwähnt werden, daß seine Beschreibung der Hausarbeit in allen Industriegesellschaften und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch bei allen anderen Gesellschaften zutrifft. Hausarbeit (Familienarbeit) ist in keiner Gesellschaft eine wirklich angesehene Tätigkeit, sondern eine lästige Pflicht, die irgendwer erledigen muß (meistens die Frau). Was aber übersehen wird, ist, daß die Hausarbeit innerhalb der Familie eine sehr wesentliche soziale Funktion hat, die das Zusammenleben der einzelnen Mitglieder innerhalb dieser Einheit bestimmt.


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Isabella Andrej
1999-03-04